Goodbye Electronic Health Record - welcome Electronic Health Companion

 

Wer hätte das so schnell gedacht? Die Welt der Internetmedizin ist salonfähig geworden. Vom Tagesspiegel über die Wirtschaftswoche bis zur ZEIT - alle haben ausführlich über die neue Welt der Medizin aus dem Internet berichtet. Beeindruckend auch, dass in der Berichterstattung ganz eindeutig die Faszination der Möglichkeiten, gute Medizin noch besser zu machen, die Skepsis in Sachen Qualität und Datensicherheit überwiegt.

Doch eigentlich wundert es nicht, dass die Internetmedizin ihren Siegeszug angetreten hat. Denn, wer die Gründer der Health Startups kennenlernt, stellt schnell fest, wie weit sie dem guten alten Gesundheitswesen voraus sind - und wie gut die Internetmedizin Gesunden und Kranken tun wird.

Die Trends sind klar und heißen: Online-Sprechstunde, Electronic Health Companions und Expertensysteme. Während bei den Expertensystemen viele über den großen Teich zu IBM´s Watson schauen, finden wir die anderen Trendsetter quasi um die Ecke. Patientus ist seit dem 1.9. mit der Online-Sprechstunde im Markt der Internetmedizin vertreten und kann von Ärzten gebucht werden, die Ihre Patienten im virtuellen Sprechzimmer begrüßen wollen. Die Erwartungen in der USA sehen für Online-Sprechstunden immerhin ein Marktvolumen von 14 Milliarden Dollar bereits im Jahr 2018. Nicht weniger interessant ist der Trend rund um die Elektronische Patientenakte. Hier geht es längst nicht mehr darum, Laborwerte, Röntgenbilder und Anamnesedaten überall verfügbar zu haben und sich via Smartphone mit den Ärzten und Krankenhäusern dieser Welt zu verbinden. Die nächste Evolutionsstufe der Electronic Health Records heißt Electronic Health Companion. Wie ein Leibarzt begleitet ein Electronic Health Companion Gesunde und Kranke durch Ihren Alltag. In Sachen Pioniergeist lohnt ein Blick auf mySugr, gespannt sein darf man auf OneLife und natürlich LARA.

Welche Dimension die Internetmedizin haben wird, zeigt eine Zahl, die der Mayo Clinic CEO John Noseworthy genannt hat. Im Jahr 2020 will die amerikanische Superklinik ihre medizinische Expertise via Internet 200 Millionen Patienten zukommen lassen.

DIGITAL HEALTH ist der Zugang zur Medizin der Zukunft

 

Wir reden jeden Tag über Digital Health und hier steht, was es ist:



DIGITAL HEALTH ist die Verschmelzung von Medizin und Informationstechnologie und bietet über diagnostische und therapeutische Applikationen einen niedrigschwelligen Zugang zu guter Medizin.

 

 

 

DIGITAL HEALTH wird getrieben von Patienten und  Bürgern, die individuell und selbstbestimmt  Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen wollen.

 

 

 

DIGITAL HEALTH macht aus unserem traditionellen Gesundheitswesen ein System der Gesundheit mit vernetzten Services, Informationen, die unabhängig von Ort und Zeit verfügbar sind und einer klaren Ausrichtung an den Bedarfen und Bedürfnissen von Patienten und Bürgern.

 

 

 

DIGITAL HEALTH erleichtert den Zugang zu guter Medizin auch an solchen Orten und zu solchen Zeiten, die bislang eine qualitativ hochwertige und wirtschaftlich angemessene Gesundheitsversorgung erschwert oder unmöglich gemacht haben.

 

 

 

DIGITAL HEALTH erreicht Patienten und Bürger in Ihrem Alltag und liefert deshalb die besseren Werkzeuge für die Behandlung insbesondere der großen Volkskrankheiten ebenso wie für deren Prävention.

 

 

 

DIGITAL HEALTH ist die Antwort auf die Herausforderung, das exponentiell wachsende Wissen in den Life Sciences auf der einen mit den gigantischen Datenmengen durch den Einsatz von Wearable-Technologien auf der anderen Seite zu einer zukunftsweisenden Gesundheitsversorgung zu integrieren.

 

 

 

DIGITAL HEALTH wird die traditionelle hardware-basierte Medizintechnik in Ihrer Relevanz für die Gesundheitswirtschaft ablösen und -  ebenso wie die INTERNETMEDIZIN - in der Evolution der Begrifflichkeit nach Telemedizin und eHealth  zum Terminus Technicus für einen neuen Vertriebsweg für Medizin werden.

 

 

 

DIGITAL HEALTH vereinfacht den Zugang zum nationalen wie auch globalen Gesundheitsmarkt. Die Möglichkeiten der Skalierung entsprechen denen der Internetwirtschaft.

 

 

 

DIGITAL HEALTH ist für all jene eine Heimat, die ihre Vision von einer Medizin der Zukunft schon heute Realität werden lassen wollen.

 

 

 

DIGITAL HEALTH ist die Medizin der Zukunft und die Zukunft der Medizin

 

 

Es ist soweit: Google stellt die Telematikinfrastruktur – Internetsprechstunde via Helpouts by Google

Interessante Nachrichten aus dem Silicon Valley: Google stellt die Infrastruktur für Internetsprechstunden zur Verfügung. Neben der Telematikinfrastruktur, mit der Arzt und Patient sich per Videokonferenz zur Sprechstunde treffen, gibt es gleich auch noch den passenden Abrechnungsdienst dazu. Das ganze heißt Helpouts by Google und ist nach Angaben von Google HIPPA-compliant. HIPPA steht für Health Insurance Portability and Accountability Act und stellt weit mehr als die gesetzliche Grundlage für die Datensicherheit für Gesundheitsdaten dar. Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen sind verpflichtet nachzuweisen, dass Sie über die entsprechende Qualifikation und Erlaubnis verfügen. Ärzte müssen so nicht nur ihre Approbation und Arbeitserlaubnis sondern auch das Bestehen einer Haftpflichtversicherung nachweisen. Und sich verpflichten, für die Datensicherheit der Patientenakten zu sorgen.

Als einer der ersten wird die One Medical Group die Internetsprechstunde via Videokonferenz über Google anbieten wird. One Medical ist ein Gesundheitsnetzwerk mit dutzenden Kliniken und hunderten Ärzten. Die Wartezeit für einen Sprechstundentermin soll nicht mehr als zwanzig Minuten betragen und der Preis zwischen 0 und 60 Dollar pro pro virtuellem Arztbesuch liegen. Der Identitätscheck läuft über Googles Soziales Netzwerk Google+. Abgerechnet wird über den Google Abrechnungsdienst Google Wallet.

Im Moment gibt es Helpouts nur in Amerika, doch der Launch für England und Irland ist vorbereitet.

Für alle, die immer noch glaubten, dass Google sich nach dem Abschalten seiner elektronischen Patientenakte Google Health aus dem Gesundheitsmarkt zurückgezogen hat, der sieht, dass es jetzt erst richtig losgeht.

Meine Prognose: Google wird einer der Player auch auf unserem Ersten Gesundheitsmarkt werden. Und wie gesagt: Die Antwort auf die Frage, wo Ärzte ihre Patienten behandeln, wird sehr bald lauten: In der Praxis oder im Krankenhaus oder im Internet.

Der Nokia-Modus und die Deutsche Ärzteschaft

Deutsche Ärzteschaft im Nokia-Modus

Im Jahr 2006 wurde der damalige Nokia-Aufsichtsratsvorsitzende Jorma Ollila auf die Aktivitäten von Apple angesprochen, die sich augenscheinlich auf den Weg gemacht hatten, ein Telefon zu entwickeln. Der lapidare Kommentar von Herrn Ollila lautete in etwa: „Wenn Apple kommt – schön. Aber vergessen Sie nicht: Bislang waren sie nicht in der Mobilfunkbranche tätig, einer Branche, die viel Know-how verlangt.“ Was danach passierte ist bekannt: Der Aufstieg von Apple und der freie Fall von Nokia´s Mobilfunksparte.

Immer dann, wenn ich mich mit den Abwehrmechanismen der deutschen  Ärzteschaft in Sachen Telemedizin, eHealth oder – was immer häufiger zu hören ist – der Intermetmedizin beschäftige, fällt mir dieses Paradebeispiel zerstörerischer Ignoranz ein. Mit seinem Flaggschiff, dem Nokia-Communicator war das finnische Unternehmen vom Hersteller von Gummistiefeln zum Vordenker in der Mobilfunkbranche geworden. Nichts ging an Nokia vorbei, wenn man sehen wollte, wie man hervorragende Mobiltelefone bauen und verkaufen konnte. Nokia war der Benchmark und schien unangreifbar. Und dann ignorierten die Topmanager zwei wichtige Dinge. Ihre Kunden und Ihre Wettbewerber.

Bei aller Vorsicht mit branchenfremden Vergleichen, fällt auf, dass es in unserem Gesundheitswesen auch jemanden gab, an dem niemand vorbeikam. Die Ärzteschaft. Einst wurde das deutsche Gesundheitswesen so konstruiert, dass es hauptsächlich ärztlich getragen werden sollte. Die Ärzte sollten die Indikationen stellen und praktisch alle Kranken exklusiv behandeln. Und die Krankenkassen mussten bezahlen. Ging es in diesem Gesundheitswesen um relevante Entscheidungen, kamen weder die Krankenkassen noch die Patienten wirklich zu Wort.

Wann auch immer dieses Konstrukt auch aufhörte zu existieren, dieser Umstand scheint noch nicht überall in unserer ärztlichen Selbstverwaltung angekommen zu sein. Denn heute bestimmen die Krankenkassen häufig genug, wo und wie Medizin passiert und die Patienten begeben sich scharenweise auf den Weg der Selbstbestimmung und treffen Entscheidungen rund um ihre Gesundheit ohne vorher einen Arzt, der ihnen physisch gegenüber sitzt, gefragt zu haben. Patienten googlen nach Informationen zu Gesundheit und Krankheit, nutzen Diagnosewerkzeuge und scheren sich nicht darum, dass es in der ärztlichen Berufsordnung einen Paragrafen gibt, der gerne als Fernbehandlungsverbot gedeutet wird. Und während die Ärzteschaft die Möglichkeiten, mit Ihren Patienten über innovative Werkzeuge der Information und Kommunikation in einen neuen Dialog einzutreten, weitgehend ignoriert, nutzen die Krankenkassen eben diese Möglichkeiten, um ihre Versicherten zu erreichen. Und so lösen sie deren Probleme rund um die Wartezeiten für Facharzttermine, bei den Fragen im Umgang mit möglichen Behandlungsfehlern und bei der Suche von vermeintlich geeigneten Ärzten und Krankenhäusern. Demnächst werden sie auch zuständig sein für die Qualitätssicherung der ärztlichen Indikationsstellung.

Damit nicht genug, die Krankenkassen unterstützen ihre Versicherten sogar beim dem Eintritt in die Welt der Internetmedizin. Noch geschieht dies zaghaft über Angebote zur Gesundheitserziehung oder bei Hilfestellungen rund um Psychologie und Psychosomatik. Doch das ist erst der Anfang. So bekennen sich die Krankenkassen zu Innovationen, die längst nicht mehr nur etwas mit den neuesten Moleküle aus den Garküchen und Bioreaktoren der Pharmaindustrie zu tun haben. Die Krankenkassen scheinen zum Treiber von der Medizin aus dem World Wide Web werden zu wollen.

Das alles erinnert an die Strategie von Apple: Kompromisslose Orientierung an dem, was der Nutzer will und Anwendung von dem, was die IT-Labs an innovativen Technologien liefern. Und es erinnert an Nokia: weder eine Strategie für die neuen Bedürfnisse der Kunden noch für die Entwicklung und den Einsatz innovativer Technologien zu haben.

So wächst meine Überzeugung, dass sich die entscheidenden Teile unserer ärztlichen Selbstverwaltung im Nokia-Modus befinden während unsere Krankenkassen bei der Apple-Strategie die Copy&Paste Funktion nutzen.

 

Internet vor ambulant vor stationär

Die potenziellen Koalitionspartner wollen sich scheinbar in der Kunst der kreativen Zerstörung üben. So zumindest dringt es aus den Gesprächsrunden in Sachen zukünftiger Gesundheitspolitik hervor, wenn gefordert wird, jedem Patienten nach höchstens vier Wochen einen Facharzt-Termin zu garantieren. Vier Wochen, also gewissermaßen ein Zwölftel eines Jahres. Ist das nicht eigentlich peinlich? Was muten wir unseren Patienten in unserem Gesundheitswesen eigentlich zu ohne uns zu schämen. Wenn mir ein Handwerker für ein - im Vergleich zu meiner Gesundheit immer vergleichsweise banales Problem - anbieten würde, dass ich in vier Wochen zu ihm kommen dürfte (nicht etwa er zu mir), ich würde mir einen anderen Experten suchen. Nun ist der Patient natürlich kein Kunde, der - wie im Beispiel des Handwerkers - einen anderen Experten suchen und zu Rate ziehen würde. Allerdings nicht deshalb, weil er es nicht will, sondern, weil er es nicht so einfach kann. Und wenn jetzt behauptet wird, dass die Vier-Wochen-Frist nicht sachgerecht wäre, dann keimt in mir erneut der Verdacht auf, dass der Patient in unserem Gesundheitswesen nicht etwa deshalb kein Kunde sein sollte, da es moralisch bedenklich weil zu ökonomisch gedacht ist, sondern weil ein devoter Patient deutlich bequemer ist für unsere Service-Wüste Gesundheitswesen als ein Kunde, der sich zu wehren gelernt hat.

Und so gibt es zwei Aspekte, die mich sehr froh sein lassen über die Aussicht der Vier-Wochen-Regelung. Zum einen ist es ein Anfang und gut für die Patienten. Und das ist eigentlich Grund genug zu Freude. Zum anderen wird es dazu kommen, dass die Medizin endlich lernen muss, solche Werkzeuge der Information und Kommunikation zu nutzen, die in anderen Branchen schon längst Gang und Gäbe sind. Wenn ich heute in Echtzeit meine Bedarfe und Bedürfnisse als Kunde befriedigen kann, dann spielt praktisch immer die Vernetzung von Information, Wissen und Service-Orientierung eine Rolle. Und beinahe immer bietet das Internet die entscheidende Basis, wenn es um Geschwindigkeit und die Artikulierung von Kundenbedürfnissen geht.

Und so sind wir bei meiner Lieblingsprognose zur Zukunft der Medizin: In wenigen Jahren werden unsere Patienten auf die Frage, wo Sie denn behandelt wurden, nicht mehr nur die Wahl zwischen der Antwort "in der Arztpraxis" oder "im Krankenhaus" haben. Die Antwortmöglichkeiten werden werden lauten: Ambulant oder stationär oder via Internet.

Ich bin mir sicher, dass das Internet zu einem neuen und weiteren Vertriebsweg der Gesundheitsversorgung wird. Aus "ambulant vor stationär" wird werden "Internet vor ambulant vor stationär". 

Die Probleme des Datenschutzes werden genauso gelöst werden, wie die Qualitätssicherung der internetangebote in Sachen Gesundheit und die Vergütung internetmedizinischer Leistungen. Das wird nicht einfach werden, doch es wird gelingen.

Nicht sicher bin ich mir allerdings bei der Frage, wer die Gesundheitsversorgung via Internet gestalten wird. Eigentlich müssten es die Ärzte sein. Nicht etwa, weil sie nun für die Einhaltung der Vier-Wochen-Frist zuständig sein werden. Sondern, weil es unserem Selbstverständnis als Ärzte entsprechen sollte, dem Patienten eine moderne, sichere und an seinen Bedürfnissen orientierte Medizin zu bieten. Wenn wir uns allerdings weiter als Berufsstand in der Diskussion um Patientenbedürfnisse diskreditieren und gleichzeitig unsere Abneigung gegenüber der modernen Welt der Kommunikation und Information artikulieren, dann werden sich die anderen Akteure im Gesundheitswesen freuen, in Sachen Internetmedizin zu Gestaltern zu werden.

Ich jedenfalls werde dafür kämpfen, dass die Medizin im Internet zum regulären Teil der ärztlichen Berufsausübung wird. Und da gerade die jüngeren Patienten das Internet am routiniertesten zu nutzen wissen schlage ich auch gleich vor, die Ärztliche Weiterbildungsordnung um die Internetmedizin zu ergänzen. Dann könnten meine Kollegen als Ärzte für Kinderheilkunde- und Jugendmedizin mit dem Schwerpunkt Internetmedizin auch ganz normal via World Wide Web praktizieren.

 

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