Tag: Zukunft
| Markus Müschenich |
| Dr. Watson erstmals im Echtbetrieb eines Krankenhauses |
| 20.12.2011 11:00:31 | |
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Es wird immer spannender im Wettbewerb des Wissens zwischen Arzt und Maschine. Wie die Los Angeles Times berichtet, wird der IBM-Supercomputer Watson jetzt erstmals im Echtbetrieb eines Krankenhauses eingesetzt. So bekommt die Cedars-Sinai's Cancer Clinic in Los Angeles, die Möglichkeit, das Superhirn zu nutzen. Geplant ist es, die individuellen Informationen in der Krankengeschichte eines einzelnen Patienten mit der gesammelten medizinischen Literatur abzugleichen, um eine optimale Therapie sicherzustellen. Wie mächtig dieses neue IT-Werkzeug ist, zeigt die Rechenleistung, die die des menschliche Gehirns so weit übersteigt, dass innerhalb von drei Sekunden die Informationen von 200 Millionen Seiten Fachliteratur gesichtet und auf Relevanz für einen einzelnen Patienten überprüft werden können. Watson ist allerdings wesentlich mehr, als eine Suchmaschine für medizinische Informationen. Dank Sprachsteuerung und künstlicher Intelligenz hat er die Potenz, bereits in die Anamneseerhebung in Echtzeit eingebunden zu werden. Seine Alltagstauglichkeit bewies Watson, als er Anfang 2011 in der amerikanischen Wissens-Show Jeopardy mit deutlichem Vorsprung gegenüber seinen menschlichen Konkurrenten gewann. Fazit: Während in Amerika das Zeitalter der Expertensysteme zum Wohle schwerkranker Patienten eingeläutet wird, befindet sich Deutschland mit seinem – behauptet – besten Gesundheitssystem der Welt weiterhin auf dem Niveau einer Kladde. Denn selbst, wenn IBM seinen Supercomputer verschenken würde, zum Einsatz könnte er bei uns gar nicht gelangen. Denn eine vernünftige elektronische Patientenakte - als Voraussetzung für die Integration von Patienteninformation auf der einen und Expertenwissen auf der anderen Seite - sucht man in Deutschland immer noch vergebens. Wer das Blog nicht vollständig verfolgt hat, der sei auch auf den Beitrag vom 20.10.2012 „Dr. Google“ hingewiesen. Denn es geht hier nicht um Bits und Bytes, es geht vielmehr um die Frage, wann und wie das Gesundheitswesen endlich im Informationszeitalter ankommen wird. Und welche Mitspieler im großen Milliardenspiel dazu kommen und welche degradiert oder ganz vom Platz geschickt werden. Tags: Maschine | Arzt | Wettberwerb | Zukunft | Medizin | Experténsystem | Patient | Gesundheitswesen | IBM | Watson |
| Markus Müschenich |
| DR. GOOGLE |
| 28.10.2011 10:46:28 | |
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Man fragt sich, welche Signale die Ärzteschaft noch braucht, um sich der Tatsache bewusst zu werden, dass sich ihr Geschäftsmodell auf dem Weg der weitgehenden Substitution durch eine neue Spezies an medizinischen Experten befindet. Wir können in der „WELT“ nachlesen, dass die Patienten immer häufiger erst Google und dann ihren Arzt befragen. Und während bei Google die Frage noch per Tastatur eingegeben werden muss, ist Apple mit seinem neuen iPhone schon in der Welt der alltagstauglichen Spracherkennung angekommen. Wer nun abwinkt und auf die fragliche Qualität der medizinischen Informationen aus dem Internet hinweist, wird auch hier nur noch für kurze Zeit Recht behalten. Denn längst gibt es qualitätsgesicherte Angebote, die zumindest den Patienten darauf hinweisen, dass die letzte Sicherheit nur der Besuch beim Arzt bringen kann. Doch auch dies wird man nicht mehr lange behaupten können. IBM programmiert zur Zeit seinen Supercomputer „Watson“ zu einem medizinischen Expertensystem, das nicht nur das Wissen von tausenden von Ärzten vereint, sondern auch die Sprache des noch so einfach gestrickten Patienten verstehen wird. Wir werden unserem Gesundheitssystem wohl einen weiteren Sektor hinzufügen müssen. Einen Sektor, in dem die neuen Player der Gesundheitswirtschaft ihr Geld verdienen. Und diese heißen dann eben Google, IBM oder Apple. Unsere Gesundheitspolitiker werden nichts dagegen haben, denn die Gesetzeslogik spricht durchaus dafür. Im Sozialgesetzbuch steht schließlich, dass die Versorgung nur ausreichend, dafür aber wirtschaftlich sein muss. Bisher hieß das, dass Patienten nur im Krankenhaus behandelt werden dürfen, wenn sie so krank sind, dass sie schon fast auf die Intensivstation gehören. Operationen sollen möglichst ambulant vorgenommen werden und bevor der teure Facharzt konsultiert wird, ist der preiswertere Hausarzt aufzusuchen. Noch günstiger ist Dr. Google und der Preis für Dr. Watson ist sicher noch verhandelbar. Und wer das wirtschaftliche Argument für zu unappetitlich oder gar im Kampf um die Wählerstimmen für kontraproduktiv hält, der verweist auf den Ärztemangel. Denn besser Dr. Watson als gar kein Arzt. Doch wir können die Entwicklung auch als große Chance sehen: Die Ärzteschaft hat die Möglichkeit, sich neu mit dem Begriff der primären ärztlichen Kompetenz auseinander zu setzen. Einer Kompetenz, die nicht in Bits und Bytes abbildbar ist und die viel mit Vertrauen und Menschlichkeit zu tun haben wird. Die Gesundheitspolitiker haben die Chance, sich endlich vom Gesundheitswesen des Herrn Bismarck zu verabschieden und ein Gesundheitssystem zu schaffen, das seinen Namen verdient hat. Ein System, in dem der vernetzte Informationsfluss endlich die Leben retten kann, die im Gesundheitswesen heute noch verloren sind. Und der Patient steht nicht mehr vor der verschlossenen Tür einer Arztpraxis, die Ihr Budget bereits ausgeschöpft hat und deshalb Betriebsferien macht. Denn Dr. Google freut sich auf seine Patienten an 365 Tagen im Jahr – und zwar Tag und Nacht. Siehe dazu auch einen Artikel auf Focus online. Tags: Gesundheitspolitiker | Medizinische Expertensysteme | Apple | Doktor Apps | Gesundheitsinformationen | Gesundheitswirtschaft | Ärztemangel | ärztliche Beratung | Web 2.0 | Medizin | Vorsorge | gute Medizin | Gesundheitswesen | Krankheiten | Zukunft | Gesundheit | Dr. google |
| Markus Müschenich |
| Neues aus der Geschichte der Zukunft der Medizin |
| 19.06.2011 00:00:00 | |
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Ein guter Freund war als Hautarzt in Bottrop niedergelassen. Gerne erzählte er von seinen treuen Patienten und immer wieder kam er zu dabei zur zentralen Frage, die alle Patienten gleichermaßen bewegte und die in der Regel auch als erste gestellt wurde. Sie lautete im Angesicht von Symptomen und vermuteten Krankheiten nicht etwa: „Was ist das, was so juckt und schmerzt? Vielmehr lautete sie: „Woher kommt das, Herr Doktor?“ Nun mag sich gerade die Medizin, die sich mit Hautkrankheiten beschäftigt, schwer tun mit der Darstellung von Ursachen. Bis heute sind die Erklärungen für die Entstehung von Neurodermitis, Schuppenflechte, merkwürdigen juckenden Hautrötungen und was die Patienten sonst noch in die hautärztliche Praxis treibt, manchmal doch eher rudimentär. Doch ist die Neugierde der Patienten mehr als verständlich und seit der Aufklärung auch nicht mehr mit dem Hinweis auf Schuld und Sühne einfach zu befriedigen. Jeder von uns hat sich eine ähnliche Frage ganz sicher in seinem Leben schon gestellt. Und so ist der Arzt nicht nur gefragt, den Zustand der Krankheit zu beenden, sondern auch die Ursache zu ergründen. Und in der Anamnese macht sich der Mediziner dann gerne auf die Suche nach unmittelbaren Ursachen und trifft so auf die Stoffe, die Allergien auslösen, Tumoren zum wachsen bringen oder das Allgemeinbefinden unerträglich machen. Während der Arzt den einzelnen Übeltäter sucht, der genau den Patienten Müller oder Meier krank gemacht hat, gibt es eine Gruppe von Wissenschaftlern, denen es herzlich egal ist, was ein Patient für eine Krankheit hat. Es sind keine schlechten Menschen, die das Einzelschicksal nicht schert. Es die sogenannten Gesundheitswissenschaftler. Und die behaupten gerne von sich selbst, dass sie mit einem einzelnen Kranken rein gar nichts anzufangen wissen. Es wundert nicht, denn ein Gesundheitswissenschaftler glaubt erst dann, eine Krankheitsursache gefunden zu haben, wenn hunderte, wenn nicht tausende Patienten auf einmal den Beweis antreten, dass Bakterium A Krankheit B oder Chemikalie C Krankheit D ausgelöst hat. Und wenn genügend Krankheiten der Ursache zugeordnet sind, wird es nicht etwa langweilig, denn dann geht es in der Abstraktion eine Ebene höher. Und so haben sich diese Wissenschaftler gedacht, dass es Sinn machen könnte die Ursachen in einzelne Gruppen zu klassifizieren. Es ist ein Viergestirn, das uns den Strauß der Möglichkeiten aufzeigt. Zum einen sind es die Gene, die uns nicht nur ein individuelles Leben schenken, sondern gleich auch den Tribut zollen lassen. 20 von hundert Krankheiten sollen in unserem Genom verankert sein und im Laufe des Lebens dann irgendwann zu Vorschein kommen. Eine intime Schuld, für die wir – mangels Einfluss auf unsere DNS – trotzdem nichts können. An weiteren 20 Prozent tragen die anderen die Schuld, nämlich jene, die unsere Umwelt verschmutzen und verseuchen. Via Nahrungskette, Hautkontakt oder Inhalation werden die Schutzbarrieren unseres Körpers überlistet. Leider merken wir dies erst dann, wenn wir uns entweder nicht mehr erinnern können, was wann auf uns einwirkte. Oder aber das krank machende Agens gehört schon so selbstverständlich zu unserem Alltag, dass wir resigniert haben und sehenden Auges das Verderben akzeptieren. Und dann kommen die 50 Prozent, die amerikanische Forscher bereits vor Jahrzehnten als den großen Brocken auf dem Weg der Ursachensuche glauben identifiziert zu haben. Unschwer als die Hälfte zu erkennen und damit eigentlich dem Traum zugänglich fünf von zehn Krankheiten auszurotten. Doch dass hier die Mathematik/Algebra nicht wirklich weiter hilft, zeigt sich bei der Betrachtung des Begriffs, der hinter dieser Mutter aller Ursachen steht. Denn auch hier sind wir es, die Schuld auf sich laden und leider können wir uns nicht so herausreden, wie es bei den Genen als Ursache recht praktisch machbar erscheint. Das magische Wort, das den Wunsch, anderen die Schuld geben zu können, entzaubert, heißt „Lifestyle“. Der Lebensstil also soll es sein, der uns via Genuss und Unachtsamkeit die Krankheit als Nebenwirkung eines stillosen Lebens beschert. Und damit hätten wir die drei Übeltäter, an denen das Gesundheitswesen doch nun bitte endlich anfangen sollte mit höchster Effizienz zu arbeiten. Die Gentechnik, die unsere Gene doch nun seit Craig Venter sie alle identifiziert hat und die ZEIT (oder war es die FAZ?) diese ganzzseitig abdruckte, arbeitet mit Hochdruck daran. Die Umweltplakette an der Windschutzscheibe unseres Autos und die Raucher-Aquarien an unseren Flughäfen lassen leise weitere Hoffnungen aufkeimen, dass auch das Thema Umweltschutz langsam Wirkung zeigen wird. Beim morgendlichen Gang zur Waage, dem Bezahlen der Mahnungen für das nicht genutzte Fitness-Studio oder auf dem Weg zu Glasscontainer mit der immer wieder erstaunlichen Anzahl an Wein- und Prosecco-Flaschen werden wir dann mit der brutalen Realität des inneren Schweinehunds konfrontiert. Es bleibt die Gespanntheit übrig, wie es weitergehen wird. Wer aber nun eifrig die Prozente zusammengezählt hat, der wir die letzten 10 % vermissen. Auch die sind seit Jahrzehnten beschrieben. Und jetzt wird es erst recht kompliziert und lässt an das Beispiel vom Bock, der zum Gärtner gemacht wurde, denken. Sie ahnen es sicherlich. Für 10% unserer Krankheiten ist das Gesundheitswesen selbst zuständig. Und dazu demnächst mehr in einem der spannendsten Kapitel zur Geschichte der Zukunft in der Medizin. Tags: Zukunft | Lifestyle | Gesundheit | Krankheiten | Gene | Gesundheitswisenschaft | Gesundheitswesen |










