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Fast zehn Jahre und wohl einige hundert Millionen Euro später ist es nun soweit - die elektronische Gesundheitskarte (eGK) wird ausgeliefert. Gestartet wurde die eGK am 3. Mai 2002 mit dem Anspruch, die Gesundheitsversorgung für den Patienten zu verbessern. Das elektronische Rezept, das die Verschreibung von tödlichen Medikamentenkombinationen verhindern sollte, war nur eine der historischen Visionen. Doch anstatt Leben wirklich zu retten, streiten sich Ärzte und Krankenkassen über solche Dinge, wie den Online- Abgleich von Stammdaten. Die Aktualisierung der neuen Adresse nach einem Umzug in eine neue Wohnung scheint eine höhere Priorität zu besitzen, als den Umzug auf den Friedhof zu verhindern. Und wem schließlich die Argumente ausgehen, um den Zugang der Ärzte zu lebensrettenden Informationen via eGK zu verhindern, der verbreitet kurzerhand die Überzeugung, dass Arbeitgeber die Karten hacken lassen werden, um sich über die Krankheiten der Mitarbeiter zu informieren. Wieder einmal zeigt sich, dass das Wohl des Patienten im Gesundheitswesen sicher nicht an erster Stelle steht. Beindruckend ist dabei die unfassbare Arroganz von Ärztevertretern, Kassenfunktionären und Gesundheitspolitkern. Denn diese halten scheinbar nicht nur die Patienten für einfältig und unendlich leidensbereit. Sie glauben darüber hinaus wohl auch, dass die Blockadehaltung zur eGK folgenlos bleibt. Die eGK hat ihre Chance gehabt. Sollte sie nicht schnell einen wirklichen Nutzen für den Patienten liefern, werden das andere tun. Die Player auf dem milliardenschweren Markt der Information stehen in den Startlöchern - und sind schon einen gewaltigen Schritt voraus. Denn die Daseinsberechtigung von Google, Facebook oder Apple basiert nicht darauf, dass das Bundesgesundheitsministerium diese Unternehmen gezwungen hat, Browser, Software und Apps zu entwickeln. Diese Unternehmen existieren, weil sie die Bedürfnisse der Nutzer erkannt, geweckt und befriedigt haben. Und das werden sie auch in Sachen Gesundheitsinformation erfolgreich tun: Medizinische Expertensysteme via Google, Elektronische Krankenakten in der Cloud von Apple und beim Doktor direkt auf dem iPad! Den lebensrettenden Medikamentencheck gibt es dann über den Facebook-Account. Wenn diese Unternehmen das wollen, werden sie es realisieren. Schneller, besser und sehr einfach für den Patienten. Und wer nun die moralische Frage im Kontext globaler Konzerne stellt, hat möglicherweise auf der einen Seite Recht. Doch muss er sich auf der anderen Seite auch die Frage stellen lassen, wer in der Zeit, die schon verschwendet wurde, mehr lebensrettende Informationen geliefert hat: die eGK oder Google?
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