Tag: Ferndiagnose
| Markus Müschenich |
| Dr. Ed bricht das nächste Tabu im Gesundheitswesen |
| 29.11.2011 17:21:31 | |
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Der nächste Tabubruch droht dem Gesundheitswesen. Wie der Spiegel in seiner Printausgabe und der Kurier aus Österreich auch online schreiben, startet ein deutscher Arzt von England aus eine virtuelle Arztpraxis. Per Internet können sich hier Patienten auch aus Deutschland und demnächst Österreich unter der Domain Dr Ed.com medizinischen Rat holen. Dabei soll es vor allem um Themen gehen, die den Patienten vermeintlich peinlich sind. Also um Erektionsstörungen, Geschlechtskrankheiten und Haarausfall. Neben der Männergesundheit können sich Frauen in Sachen Blasenentzündung und Pille an Dr. Ed wenden. Ein standardisierter Fragebogen soll eine sichere Diagnose möglich machen und erleichtert die Dokumentation in der Online-Patientenakte. In diese können dann auch Fotos hochgeladen werden, die zur Diagnosefindung genutzt werden. Besteht der Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit versendet Dr. Ed neutral verpackte Test-Kits an die Patienten. Die notwendigen rezeptpflichtigen Medikamente kommen via Versandapotheke. Kosten zwischen 9€ und 29€ entstehen bei Dr. Ed – so ist auf der website zu lesen – nur, wenn eine Behandlung durchgeführt wird. Die Diagnosestellung ist kostenlos. Um die Art der Telemedizin möglichst sicher zu machen, werden minderjährige Patienten sowie Patienten mit akuten Erkrankungen abgelehnt. Das Team von Dr. Ed ist rund um die Uhr erreichbar, beruft sich auf die Erfahrung von mehr als 200.000 telemedizinischen Konsultationen und ist als Online-Praxis durch die britische Care Quality Commission zugelassen. Die Kollegen in Deutschland und Österreich laufen erwartungsgemäß Sturm und starten schon einmal eine kleinere Beschimpfungskampagne. Diese Art der Medizin sei "fahrlässig", "gefährlich" oder "katastrophal", ist zu lesen. Man könnte nun diskutieren, ab wann gute Medizin anfängt. Und sicher würde man sich schnell darauf einigen, dass ein gut ausgebildeter Mediziner, genügend Zeit für den Patienten mit seinen Beschwerden und Sorgen und natürlich eine ausreichende Kenntnis von Vorbefunden gute Medizin ausmachen. Dumm nur, dass gut ausgebildete Mediziner fehlen, die Zeit für den Patienten in der Kassenarztpraxis auf wenige Minuten begrenzt ist und Vorbefunde Dank der getrennten Sektoren regelmäßig nicht zur Verfügung stehen. Gute Medizin sieht also anders aus. Und so sitzen die Kritiker eigentlich in einem Glashaus. Warum sie trotzdem mit Steinen werfen? Vielleicht ärgern sie sich einfach nur, weil sich da wieder einmal wieder jemand die Rosinen aus dem Gesundheitskuchen gepickt hat. Also die Behandlung solcher Patienten, die Dank einfacher Diagnoseprozeduren besonders gewinnbringend sind. Vielleicht ist auch ein wenig Neid dabei, denn Dr. Ed hat nur Privatpatienten - also der Traum vieler Ärzte. Möglicherweise aber ärgern sie sich auch nur, weil sie nicht selbst auf die Idee gekommen sind. Denn täglich rechnen unsere Kollegen in der Praxis eine Gebühr für die Beratung von Patienten ab. Und eben diese Beratung darf – ohne dass es weniger Geld gibt – auch telefonisch erfolgen. Der Schritt zu Internetsprechstunde ist also nur ein kleiner über den man sich sicher trefflich ärgern kann, wenn man ihn nicht als erster gegangen ist. Und außerdem zugeben muss, dass die Basis der Beratung mit eigener online Patientenakte, standardisiertem Fragebogen und hochgeladenen Diagnose-Fotos möglicherweise besser ist, als die telefonische Beratung zwischendurch. Die Zukunft war diesmal zuerst in England, doch die Auslieferung an Deutschland hat schon begonnen. Tags: Patientenakte | Internetsprechstunde | Telemedizin | Diagnose-Foto | Arzt | Patient | Praxisgebühr | Ferndiagnose | Domain Dr. Ed.com | Dr. Ed.com | virtuelle Praxis | Gesundheitswesen | Tabubruch | gute Medizin | Online-Praxis | Care Quality Commission | Versandapotheke |










